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Annette von Droste-Hülshoff Annette von Droste-Hülshoff kam im Alter von acht Jahren erstmals nach Bökendorf, um ihre Großeltern zu besuchen. Am 19. August 1805 traf sie zusammen mit ihrer Mutter auf dem Bökerhof ein.
In den folgenden Jahren hielt sie sich neun weitere Male mehr oder weniger lange bei den "Paderborner Verwandten" auf, zuletzt im Herbst 1845. Bökendorf und später Abbenburg waren dann Ausgangspunkte für die berühmten "Rundtouren" zu den Verwandten in der Umgebung, denn die zahlreichen Tanten und Onkel sowie Kusinen und Vettern hatten entweder in die "Nachbarschaft" geheiratet oder wohnten auf einem der Häuser der Familie bzw. der Verwandtschaft in der Umgebung. Andere Onkel und Tanten wiederum waren entweder Domherren oder Stiftsdamen in den großen Stiften in Westfalen, so etwa in Corvey oder Neuenheerse.
Außer den verwandtschaftlichen Beziehungen gab es auch gesundheitliche Gründe, die Annette von Droste-Hülshoff nach Ostwestfalen führten. Infolge ihrer zu frühen Geburt litt sie zeitlebens an den unterschiedlichsten Krankheiten, denen das Klima im Münsterland nicht immer zuträglich war. So suchte sie bei ihren Verwandten im Kreis Höxter Linderung, vor allem auch während eines Kuraufenthaltes in Bad Driburg im Sommer 1819.
Literarhistorisch bedeutsam ist die Tatsache, daß Annette von Droste-Hülshoff im Juli 1813 durch Erzählungen ihres Großvaters Werner Adolph von Haxthausen erstmals mit dem wahren Hintergrund ihrer späteren Erzählung Die Judenbuche konfrontiert wurde.
Jenny von Droste-Hülshoff
Jenny von Droste-Hülshoff
Caspar Moritz von Haxthausen, der Erbauer des Bökerhofs und Großvater der "großen Generation", besaß die patrimoniale Gerichtsbarkeit und war Gerichtsherr auf Abbenburg. In dieser Eigenschaft hatte er den Mord an einem Juden durch einen jungen Mann aus Bellersen zu untersuchen; der Täter hat sich später am Ort des Geschehens selbst gerichtet, nämlich an der Judenbuche im Abbenburger Forst auf dem Joelskamp. Die Droste muß durch die Erzählungen des Großvaters und der Kinder mit dem Selbstmord konfrontiert worden sein, denn er geschah zu einem Zeitpunkt, zu dem sie bereits in Bökendorf zu Gast war, nämlich im Jahre 1808. August von Haxthausen hatte sich bereits früher mit diesem Thema beschäftigt und veröffentlichte den Stoff 1818 unter dem Titel Die Geschichte eines Algierer-Sklaven in der Göttinger Zeitschrift Die Wünschelruthe.
August von Arnswaldt
August von Arnswald
Am 10. April 1819 begann Annette von Droste-Hülshoff ihren längsten Aufenthalt in Bökendorf und Umgebung; hauptsächlicher Grund war ihr schlechter Gesundheitszustand, der sie veranlaßte, in den Monaten Juni und Juli in Driburg in Begleitung ihrer Großmutter einen Kuraufenthalt einzulegen.
Im Sommer 1820 kamen zwei junge Männer nach Bökendorf, die im Göttinger Freundeskreis um August von Haxthausen als hoffnungsvolle Talente der Dichtkunst galten. Es waren August von Arnswaldt und Heinrich Straube. Beide lernten bei den Bökendorfer Freunden auch deren Nichte Annette von Droste-Hülshoff näher kennen. Aus der schon etwas länger zurückliegenden Bekanntschaft mit Straube und der neuerlichen mit Arnswaldt entsponn sich eine Liebesbeziehung zwischen der jungen Annette und den beiden Männern, die - als eine Art "Dreiecksbeziehung" gedeutet - in der sogenannten Jugendkatastrophe der Droste enden sollte.
In das von den Freunden und Verwandten inszenierte Komplott gegen das junge und "vorwitzige" Fräulein aus dem Münsterland waren vor allem auch August von Haxthausen und dessen Schwester Anna verstrickt. Letztere, die liebste Tante und beste Freundin Annettes in Bökendorf, heiratete zu allem Überfluß später auch noch August von Arnswaldt. Annette von Droste-Hülshoff brach wegen der ihr wiederfahrenen Demütigung die Beziehung zu den Verwandten und deren Freunden ab und mied den Bökerhof für die nächsten siebzehn Jahre. Es sollte bis zum Jahre 1837 dauern, bis sie wieder mit ihrem Onkel August und ihrer Tante Anna sprach.
In den Jahren 1837 und 1838 hielt sich Annette von Droste-Hülshoff zum erneuten Male auf Gut Abbenburg auf. Entscheidend für diesen ersten Aufenthalt nach 1820 war die Aussöhnung mit ihrem Onkel August von Haxthausen. Denn vor allem seine unrühmliche Rolle in der Straube-Arnswaldt-Affäre hatte Annette von Droste-Hülshoff damals zum Bruch mit Ostwestfalen veranlaßt.In dieser Zeit erschien - gegen den Willen der Verwandten - bei Aschendorff in Münster ihr erster Gedichtband, in dem sich auch eine Anzahl in Bökendorf entstandener Gedichte befinden. Im Sommer 1839 kam Annette von Droste-Hülshoff zu einem weiteren sechswöchigen Aufenthalt nach Ostwestfalen.
Heinrich Straube
Heinrich Straube
Sie verbrachte trotz einiger auswärtiger Besuche auf Abbenburg eine relativ ruhige Zeit, in der sie sich intensiv mit der Geschichte eines Algierer Sklaven ihres Onkels August von Haxthausen auseinandersetzte und am Geistlichen Jahr arbeitete. Das Geistliche Jahr erschien dann noch im selben Jahr 1839 und die Judenbuche 1842. In den Jahren 1843 und 1845 hielt sich Annette von Droste-Hülshoff zum letzten Male auf der Abbenburg auf. Hier entstanden im Sommer 1845 ihre literarisch bedeutsamen sogenannten Abbenburger Gedichte. Annette von Droste-Hülshoff starb am 24. Mai 1848 auf der Meersburg, wo sie zu Besuch bei ihrer Schwester Jenny von Laßberg weilte.